Facebook iconTwitter icon
B2B-Network:
Streben wir einem Desaster auf dem Anleihenmarkt entgegen?
Time icon24 March 2017, 12:30 pm

Eine der gewinnträchtigsten Entwicklungen in der Geschichte der US-amerikanischen Börse scheint vorüber. Der starke Anstieg der US-Zinssätze während der vergangenen Woche bestätigt die Umkehrung eines vorher 30 Jahre bestehenden Trends. Einige Analysten haben die aktuelle Trendumkehrung vorausgesehen. 

Das Schreckgespenst der 1970er Jahre, die drohende Inflation, wurde besänftigt, und so ergab sich eine recht sichere und attraktive Rendite bei Investitionen in Anleihen. Das Angebot an sicheren Anleihen wurde allerdings in jüngster Zeit verknappt, die Anleihepreise stiegen entsprechend. Doch nunmehr gibt es Gründe zu der Annahme, dass der Trend nun vorbei ist: Interessenten verkaufen Anleihen und kaufen Aktien. Anzeichen von Inflation, der natürliche Feind der Anleihen, sind auf dem Vormarsch um die Welt. Daher sind Aktienmärkte gestiegen, während Anleihen im Gegensatz gefallen sind.


Steht ein Desaster bevor?

Viele Privatanleger kauften in der Vergangenheit Anleihen über so genannte börsengehandelte Fonds (englisch: Exchange Traded Funds) oder kurz ETFs. Das sind Bündel von Vermögenswerten, die gehandelt werden, um Veränderungen im Wert eines zugrundeliegenden Assets wie Öl oder Gold widerzuspiegeln. Wenn also jemand börsengehandelte Fonds besitzt, ist nicht etwa er selbst Eigentümer der ETFs, sondern vielmehr derjenige, der die ETFs ausgestellt hat. Wenn nun viele Leute versuchten, ihre ETFs gleichzeitig zu verkaufen, würden sie die bereits in dem zugrunde liegenden Anleihemarkt diskutierten Probleme verschärfen.

Alle diese Faktoren zusammengenommen könnten zu einem ähnlichen Desaster führen wie der Zusammenbruch des Anleihemarktes im Jahre 1994. Damals begann die US-Notenbank die Zinssätze für Anleihen sehr schnell zu erhöhen, um die vorherrschende Inflation einzudämmen. Investoren verloren Milliarden, der Bezirk Orange County in Kalifornien wurde zahlungsunfähig und es wurde sogar eine Währungskrise in Mexiko ausgelöst.

Im Jahr 1994 stellte der damalige Vorsitzende der US-Notenbank, Alan Greenspan, durch aggressive Zinserhöhung über 2 Prozent Zinsen innerhalb eines Jahres in Aussicht. Ein Verhalten, das von der jetzigen Vorsitzenden Janet Yellen jedenfalls aktuell nicht zu erwarten ist. 

Das Zünglein an der Waage in der aktuellen Entwicklung hingegen könnte US-Präsident Donald Trump sein. Wenn er die US-amerikanische Wirtschaft durch die Beseitigung von Steuern und die Erhöhung von Ausgaben wirklich auf Trab bringen kann, dann kann die US-Notenbank erneut über hohe Wachstumsraten nachdenken. Aber selbst wenn all dies eintrifft, könnte das Ergebnis ähnlich sein wie 1994. Nämlich, dass die normalen Anleger nicht mehr bereit sind, in Anleihen zu investieren, sondern einfach aus dem Markt verschwunden sein werden.

Loader